Tanz und Kulturelle Bildung an der Universität Mainz

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An künstlerische Fächer, wie Musik, Theater, Kunst oder Tanz werden weitgehende Bildungsansprüche und Wirkungsbehauptungen herangetragen (Liebau & Zirfas, 2008, S. 7). Dennoch besteht national wie international ein Forschungsdesiderat hinsichtlich der Wirkung Kultureller Bildung (Fink, Hill & Reinwand-Weiss, 2015; Rittelmeyer, 2010; 2014; Reinwand-Weiss 2013), insbesondere in den Bereichen Tanz, Theater und Bildender Kunst (Freytag, 2011; Rittelmeyer, 2012). Gegenüber den weitgehend deklarativen Zuschreibungen sowie einem undifferenzierten Gegenstandsverständnis vom Feld Tanz ist a) eine wissenschaftlich fundierte und bildungstheoretisch fokussierte Systematisierung des breiten Angebotsraumes Tanz sowie b) eine bereichsspezifisch differenzierte Evaluation von Tanzpraktiken als (Wirkungs-)Faktor nach wie vor eine Leerstelle kultureller Bildungsforschung.

Das Verbundprojekt zielt daher auf die Entwicklung methodischer Verfahren, die eine Erfassung tanzspezifischer Dimensionen kultureller Bildung in formalen und non-formalen Tanzsettings ermöglichen. Dabei werden sowohl differente Wissens- und Vermittlungsdimensionen tänzerischer Praktiken im Hinblick auf Bildungsverständnisse und -potenziale analysiert als auch bestehende Verfahren tanzspezifischer Bildungsforschung domainspezifisch präzisiert und weiterentwickelt. Das Vorhaben zeichnet sich durch eine enge Verzahnung tanzwissenschaftlicher, tanzpädagogischer, körper- und bildungssoziologischer sowie sportdidaktischer Perspektiven aus.

Das Verbundvorhaben ist zweistufig aufgebaut. In der ersten Phase werden bildungsrelevante Vermittlungsdimensionen aus der Sicht von Tanzpädagog/innen und Ausbildungsinstitutionen erfasst, um auf dieser Basis Kriterien für eine differenzierte Beschreibung tanzspezifischer Vermittlungskonzepte zu entwickeln. Grundlegend dafür ist eine praxeologische Untersuchung von Tanz in formalen und nonformalen Settings. In dieser Phase arbeiten die vier Projektstandorte gemeinsam an der Entwicklung eines „Tanzspezifischen Analysemodells“, das die Ergebnisse zusammenfasst. Auf der Grundlage dieses Modells werden in der zweiten Phase domainspezifische Erhebungsinstrumente zur Erfassung kultureller Bildungsprozesse im Tanz entwickelt. Ein Selbstreflexionsbogen für Tanzpädagog/innen (Marburg) sowie ein standardisierter Analyseleitfaden zur Erfassung tanzspezifischer Vermittlungssettings (Köln) zielen auf die Ebene der Anleiter/innen von Tanzangeboten. Ein domainspezifischer Selbstkonzepttest (Mainz) sowie ein domainspezifischer Kreativitätstest (Münster) für Kinder im Alter von 8-12 Jahren zielen auf die Ebene der Abnehmer/innen von Tanzangeboten.

Förderkennzeichen: 01JK1601D

 

 

 

 

 

 

*Chance Tanz Mainz: Sechs Helden sind hier: Foto Meggi Kölzer
Chance Tanz Mainz: Sechs Helden sind hier: Foto: DeDa Production
Chance Tanz Mainz: Suche nach dem Wohin und dem Woher: Szene aus dem Tanzstück „Run“: Foto Andreas Etter
Probe: Foto: Johanna Wind